Gadgets Gone Wrong – Ein Spaziergang zwischen Hell Yeah und Hell No

Okay liebe Leser-Cheerleader, jetzt helft mir mal aus! Wie finden wir die Ideen dahinter? „TOOOLL!“ Und wie finden wir die Umsetzung davon? Gebt mir ein S, gebt mir ein H, gebt mir ein I und ein…na, ihr wisst schon. Manchmal zünden brillante Ideen und verpuffen gleich wieder zu einem Häufchen Das-war-wohl-Nix. Im Laufe der Zeit sind mir schon viele Software-Programme, Spielekonsolen, Alltagshelfer und Taschen-Gadgets unter die Nase geraten, die mich im ersten Moment hellauf begeistert haben.
Sie überzeugten mich durch pfiffige Einfälle, schickes Design oder innovativen Nutzen, der unser Leben ein bisschen einfacher, besser oder unterhaltsamer machen soll. Aber so ein Vorhaben umzusetzen – ob selbst verschuldet oder durch äußere Faktoren – funktioniert nicht immer wie geplant. Bei den folgenden Gadgets möchte ich euch 5 Items vorstellen, hinter denen wohl ein guter Gedanke steckte, deren Sinn jedoch bis heute ein Fall für Galileo Mystery bleibt.

Nekonique Gadgets gone wrong

Die Whiskey Steine

Diese hübschen Würfel sind gar nicht so übel und hatten meine Aufmerksamkeit sofort sicher – sie sehen top aus und dienen als Kühlmittel für Drinks. Der natürliche Speckstein ist gesundheitlich unbedenklich, verfälscht niemals den Geschmack des Getränks und verwässert es nicht, anders als beim Einsatz von Eiswürfeln. Dazu werden die Steine ein paar Stunden ins Gefrierfach gepackt und speichern die Kälte, die später ins Getränk abgegeben wird. Dass sie super dekorativ und ein interessanter Hingucker sind, finde ich immer noch. Der Rest ist allerdings nicht so wirklich „cool“.
Beim Trinken permanent Steine gegen die Zähne gedonnert zu kriegen und dauernd zittern zu müssen, ob das wertvolle Whiskeyglas angeknackst wird, ist unangenehm. Außerdem wurde von mehreren Käufern die Kühlkraft bemängelt, die nach stundenlangem Warten kaum wirksam sei und wenn überhaupt, laut Amazon-Rezension, den Drink erst nach ca. 12 Minuten runtergekühlt hat. Da hat man sein Tröpfchen eigentlich schon längst weggeschlürft. Da ich ein absoluter Eiswürfel-Freak bin wären sie ohnehin nichts für mich, bleiben aber eine nette Geschenkidee. Verwirrend ist übrigens auch die Namensgebung, denn in gutem Whiskey haben Eiswürfel laut Experten eh nichts verloren.

Nekonique Gadgets gone wrong

Der Egloo Ofen

Von Kälte zu Hitze! Mit dem Egloo Ofen klettern wir auf dem Fail-O-Meter ein bisschen weiter nach oben. Entwickelt vom italienischen Studenten Marco Zagaria, fand man den kleinen Heizpilz als Kampagne auf Indiegogo, wo Spenden im Wert von 30.000 $ zur Umsetzung der Marktreife gesammelt werden sollten. Was uns dafür versprochen wurde? Die Konstruktion besteht aus einer kleinen, unteren und einer großen, oberen Kuppel, die sich durch 4 Kerzen gleichmäßig erwärmt und angeblich einen 20qm Raum bis zu 5 Stunden heizen kann: für umgerechnet nur 8 Cent Heizkosten.
Kalte Raumluft gelangt in die Seitenschlitze und wird dabei in einem Kreislauf durch warme Ströme aus dem oberen Loch der Kuppeln ersetzt. Egloo wird zudem mit einem 2 Grad Temperaturanstieg in nur 30 Minuten beworben, ist in mehreren Farben erhältlich und kostet rund 60$ je Stück. Klingt das nicht super?! Ja, nach super Werbung. Die Realität sah nämlich anders aus. Mehrere Nutzertests zeigten, dass das Raumklima in besagter Zeit nur minimal anstieg und sogar DIY Varianten aus Tontöpfen bessere Ergebnisse erzielten. Übrigens, Teelichter geben stets dieselbe Menge an Wärmeenergie pro Zeit ab, ist also egal ob sie freistehend sind oder in einem überteuerten Terrakotta Ofen flackern.
Nicht zu vergessen sind die Abgase durch diverse Parrafine (mag sein dass durch reines Paraffin nur CO2, Wasser und Ruß durch die Gegend wabern, aber selbst Naturprodukte können Rückstände von Chlor- und Schwefelverbindungen abgeben). Dazu wird noch der Sauerstoff des Raumes verbraucht und die Funktion ist strikt an die Brenndauer der kleinen Kerzen gekoppelt. Und mal ganz unter uns – diese „Erfindung“ ist kein neuer Einfall gewesen, wenn man sich mal im Web umschaut. Er wurde nur in gutes Design verpackt und ordentlich beworben. Ein Schuss in den Ofen.

Nekonique Gadgets gone wrong

Mother von Sen.se

…Makes no sense. Mother hat definitiv was für sich, doch ist die Umsetzung dermaßen creepy, dass ich mir so ein Ding nicht ans Bett stellen könnte, ohne Verfolgungswahn zu kriegen. Seht euch diesen eiskalten Mofo an! Das kegelförmige Gadget verfügt über mehrere „Motion Cookie“ Sensoren, die an allen möglichen Alltagsgegenständen (zB Zahnbürste oder Trinkglas) befestigt werden können. Die intelligent erfassten und gesammelten Daten – wie gut schrubbst du deine Zähne, wie oft trinkst du etwas, schläfst du länger als dein Papa, putzt du häufiger als deine Geschwister? – werden dir auf jedes beliebige Interface, zB Handy oder PC, geschickt und in entsprechenden Apps ausgewertet.
Mother erkennt deinen Lebensstil, weist dich auf wichtige Veränderungen hin und gibt dir einen Einblick in dein tägliches Verhalten. Praktisch? Ja. Vor allem hilfreich wenn sie dir sagt, dass du vergessen hast die Haustür zu schließen oder Rentner auf Tabletteneinnahmen hinweist. Gruselig? JA! Der Aufwand dahinter scheint unnötig, zumal es befremdlich scheint seinen Haushalt mit Mikrochips vollzutackern und die beworbene Vergesslichkeitshilfe sinnlos wird, da ohnehin senile Menschen sich kaum mit dieser Technik auseinander setzen werden.
Die Daten können theoretisch gehackt und an dritte übertragen werden, Mother speichert die Infos dauerhaft á la NSA und muss dauernd am Strom hängen. Natürlich ist es hilfreich zu wissen ob die Katze gerade draußen herum streunt oder daheim ist. Aber nicht für 222$ je Artikel. Für extra Sensoren zahlt man drauf. Abgesehen davon würden uns die permanenten Motion-Cookie Hinweise per SMS, Anruf oder E-Mail irgendwann auf den „Cookie“ gehen, sodass der Alltag tendenziell verkompliziert statt vereinfacht wird. Als Überwachungstool bleibt Mother aber beachtenswert.

Nekonique Gadgets gone wrong


Das Akimbo-System

Akimbo war ein video-on-demand Service, der personalisierte Programmierung zuließ und über Breitband Internet auf den TV streamen konnte. Via Set-Top-Box konnten 200h auf ca. 80 GB Speicher gesammelt und sofort oder später konsumiert werden. Beworben wird mit der Auswahl von tausenden Sendern, Spielfilm-Speicherung und der Unterstützung des Windows Media 9 audio/video Codecs. Alles geht über’s WLAN und man muss sich online registrieren. Leider ging die Aktion nach hinten los, denn damals (2004) wollte keiner der großen TV-Sender und Videoverleiher so richtig mitziehen.
Die unbeliebten Channels waren laut Konsumenten schlichtweg „langweilig“ und der Player war – oh welch Überraschung – ein ruckelnder, pixeliger Qualitätskiller. Hinzu kommt die heulende Brieftasche: Man zahlte 9,99$ monatlich für die Nutzung von Akimbo oder einmalig 199,99$, wobei Spielfilme und viele Shows nochmal extra gezahlt werden müssen (und teilweise nach 24h einfach ablaufen und nicht mehr aufrufbar sind, trotz Zahlung), Porno kostet nochmal drauf und Abos von ganzen Sendern kosten ebenfalls monatliche Beträge.
Ihr seht, da kamen horrende Summen zusammen, die keine Sau locker machen wollte. Keyword Search und Personal Content waren gegen 2004 eine neuartige, coole Idee – aber die Verwirklichung ziemlich mau. Wenige Jahre später stellte Akimbo seine Dienste komplett ein.

Nekonique Gadgets gone wrong

Die „Google Kugel“ Nexus Q

Das sphärische Design des Nexus Q sorgte anfangs für große Begeisterung. Technisch bietet die Kugel einen OMAP4460-Chipsatz von Texas Instruments, einen Dual-Core-Prozessor mit 1 GB Arbeitsspeicher und den Grafik-Chip SGX540. Hinzu kommen 16 GB interner Speicher, ein integrierter 25Watt Verstärker, ein WLAN Dualchannel, Bluetooth, NFC, LAN und ein Micro-HDMI Ausgang, sowie diverse analoge Anschlüsse für Boxen. Das Gehäuse wird LED beleuchtet und liegt leicht in der Hand.
Also wenn das nicht ein bombiges Schmankerl für Musikfreunde ist, weiß ich auch nicht. Doch der Schein trügt. Die Streamingkompatiblität war strikt auf die Google Dienste (Android, Google Play, Youtube) limitiert, auf den 16 GB Speicher hatte man keinen Zugriff, da er nur als Zwischenspeicher dienen sollte und eine Lautstärke-Regelung gab’s nicht am Item sodass sie nur fernsteuerbar war. Steht man mit einem NFC-fähigen Smartphone neben der Kugel, wird man automatisch auf die Download-Seite der Apps geleitet – ob man will oder nicht.
Die Übertragungsrate vom Handy zur Ausgabebox sei extrem langsam, teils fehlerhaft und der Spaß liegt bei einem Kostenpunkt von 299$. Da regnete es sowieso heftige Kritik, weil sich jeder gescheite Medienjunkie für die Kohle lieber ´ne Playse oder Xbox zulegt und damit das volle Entertainment bekommt, statt sich für die hustende Nexus Q zu entscheiden.

Fotos:
Whiskey Steine, dongmakjhg/ Whiskey Stones
Egloo, Egloo via Indiegogo
Mother, Mother by Sen.se
Akimbo, Akimbo by Akimbo
Nexus Q, Nexus Q by Google

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