Do It Together – Descom Designgespräche 2015

Am vergangenen Dienstag rief die Descom zum jährlichen Fachforum in die Akademie der Wissenschaften und Literatur. Mainzer Designer und Kreative Köpfe aus ganz Deutschland gaben sich zum 14ten Male die Ehre und genossen Vorträge, Diskussionen und Networking zum Thema „Do it together“ – ein Denkanstoß zum Kooperieren unter Gestaltern, da gerade bei dieser Berufsrichtung gern dem Konkurrenzdenken die Tür geöffnet und Teamwork vor der Nase zugeschlagen wird.

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Erst war ich noch scharf am überlegen, ob ich mal die Hufe schwingen und einen Blick riskieren sollte, denn mein momentaner Zeitplan ist eng gestrickt und der Eintrittspreis ließ sich immerhin in 7 Manga umrechnen. (Legitime Währung, ich hab das Augenrollen wohl gesehen!) Letztendlich schnappte ich mir mit Hilfe eines Studentenangebots dann doch ein Ticket, setzte meinen Namen neben 93 weiteren auf die Teilnehmerliste und bemerkte mit Panikblick auf die Uhr, dass ich recht spät dran war. Schnell noch ein kleines Frühstück To Go reingezwängt, planlos Handy und Visitenkarten in die Handtasche gestopft und zum Bus gehechtet.

…den ich verpasst habe. Der zweite blieb allen Ernstes auf halber Strecke liegen. Grandioser Start! Die Begrüßungszeremonie hatte bereits begonnen als ich ankam, am Eingang wickelte ich flott die Registrierung ab und bekam ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt, das unter anderem die Teilnehmerliste, Referenten, Notizbuch und eine Ausgabe vom Design-Report enthielt. Namensschild auf den Blazer gebappt, Platz genommen im großen Saal, die langen Locken ganz zerzaust vom Rennen.

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Nach der Einführung von Fachleitung Adrienne Finzsch begrüßte uns der Staatssekretär Uwe Hüser aus dem Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung. Ein schönes Plädoyer zur Zusammenarbeit später, stellte sich der heutige Moderator Andrej Kupetz vor, richtig, unser „German Design Council“ und sorgte für gute Unterhaltung. Dr. Anne Hermann, die erste Referentin und langjährige Psychologin, kam extra aus der Schweiz eingeflogen und erleuchtete uns im Bereich Design-Thinking, den Bezügen zwischen Gestaltung und Funktionalität, Verhaltensbeeinflussung und Marketing. Nach ihrem Job als Research Assistant der SHL Group in London, war sie als Development Consultant der OPP Ltd. in Oxford tätig, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana Universität in Lüneburg, heute an der Kalaidos Fachhochschule in der Schweiz.

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Ebenso beeindruckend war die zweite Vortragsreihe von Lufthansa Product Managerin Annika Saenger. Die spannende Story, wie sie es tatsächlich schaffte in einem Großkonzern wie der Lufthansa die Neukonzeption des Traineeprogramms zu revolutionieren, dabei gegen den Strom aller Nein-Sager schwamm und ihre Idee schließlich Früchte trug, das motivierte sogar den pessimistischsten Klotz im Publikum. Ihr war aufgefallen, dass aus den tausenden, jährlichen Bewerbern, die durch die immer gleiche Elite-Schablone (Studium, NC, Praktika, Testsergebnisse, aus gutem Hause etc) ein Pool entstand, der zu „gleich“ war und dementsprechend stets „ähnlich dachte“, sodass es keine innovativen Anstöße mehr gab. Sie forderte stärkere Variation, mal jemanden zu nehmen der nicht alles irgendwie perfekt kann, sondern eine Sache so richtig drauf hat und andere vielleicht nicht.
Außerdem lehrte sie uns, wie wichtig Intermedialer Austausch und die Kooperation unter verschiedenen Departments ist, um dasselbe Ziel zu erreichen. Als die letzte Zuschauerfrage beantwortet war, läutete es zur Kaffeepause. Vollgetankt mit Inspiration und frischen Gedanken griff ich nach meinem Mantel und begab mich in die Vorhalle. Leicht wehleidig erinnerte mich die Uhrzeit daran, dass ich gleich ´nen verfrühten Abflug machen müsste, obwohl die Veranstaltung bis 21 Uhr laufen würde. Gerade während des Apéro knüpft man bekanntlich die interessantesten Kontakte, also musste ich für mich die Vorspultaste drücken. Neben dem Eingang befand sich ein Tisch mit reicher Auswahl an Kuchen und Köstlichkeiten, es wurde Kaffee, O-Saft und Mineralwasser ausgeschenkt und die Leute bildeten an kleinen Steh-Tischchen Trauben.

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Genervt spürte ich die Nervosität hochkommen, ich werde jedes mal sehr schüchtern und unsicher wenn ich neuen Gesichtern begegne, was nicht gerade hilfreich ist wenn man gern Leute kennenlernt. Und tja, wie könnte es anders sein: Mach jetzt bloß nichts peinliches, dachte ich noch, konnte mich aber nicht überwinden souverän in eines der laufenden Gespräche einzusteigen. Also erstmal verstohlen ein Stück Kuchen mümmeln und dann ist immernoch Zeit.
Beladen mit Broschüren, Mantel, Handtasche, Handy in der Hand und Kuchenteller torkelte ich auf die Theke zu, um mir etwas frischen Saft zu gönnen, da flascht mir natürlich das Kuchenstück auf den Boden, das Descom Paket verteilt sich quer über die Landkarte und mein Handy landet selbstverständlich direkt in der Kuchenpampe. Um mich herum Lachanfälle. Yeah, wieder den besten ersten Eindruck aller Zeiten hinterlassen!

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Um meinen ungeschickten Auftritt wieder gut zu machen, sprach ich erstmal ein paar Mitarbeiter der Hochschule für Gestaltung an, vertieft in das nette Gespräch erfuhr ich viel über kommende Technik-Trends und merkte schnell, dass die Teilnehmer aus einer bunten Mischung aus IT-Spezialisten, Designern, Game-Entwicklern, Medienstudenten und Kulturfans bestand, in der alle Altersklassen von 20-60 vertreten waren. Als ich erstmal den Bogen raushatte, kamen die Dialoge wie von allein. Hier verabschiedete sich mal jemand, da kam gleich ein neues Gesicht dazu. So unterhielt ich mich angeregt mit einigen Gestaltern, Entwicklern und Start-Up Profis, brachte ein bisschen Nekonique-Flair unter die Leute und verabschiedete mich schweren Herzens mit der nächsten Straßenbahn.
Insgesamt waren die Designgespräche ein gelungenes Event, ich habe tolle Kontakte knüpfen können, die Speisen waren ein Genuss, ich freue mich sehr über das Paket und die wertvollen Eindrücke, die ich aus den perfekt getimeten Vorträgen mitnehmen durfte. Am Abend traf ich mich noch mit einer Freundin und berichtete ihr im Restaurant von den Erlebnissen, bevor wir uns beim gemeinsamen Kinobesuch entspannten. Vielen Dank nochmal an die hilfsbereiten und erfahrenen Mitarbeiter des Descom-Teams! Bis zum nächsten Mal!

Nekonique Descom Mainzer Designgespräche 2015

Fotos: Chery

Das Copyright saemtlicher vom Autor erstellten Grafiken und Texte bleibt allein bei nekonique.de, eine Vervielfaeltigung oder Verwendung bedarf ausdruecklicher Zustimmung des Autors!

2 Kommentare

  • Maik K

    7. Oktober 2015

    „[…]da flascht mir natürlich das Kuchenstück auf den Boden, das Descom Paket verteilt sich quer über die Landkarte und mein Handy landet selbstverständlich direkt in der Kuchenpampe. Um mich herum Lachanfälle. Yeah, wieder den besten ersten Eindruck aller Zeiten hinterlassen!“

    Aha, das ist also diese „Social Awkwardness“. 😀

    Klingt echt interessant, leider höre ich von solchen Events immer erst nachdem sie stattgefunden haben.
    Vielleicht bin ich etwas zu zynisch aber ich kaufe Lufthansa das neue „Be who you want to be“ Trainee Konzept nicht wirklich ab. Eine Freundin von mir hat bei denen letztes Jahr ein cooles Auslandspraktikum in New York machen können. An sich eine super Sache, aber solche Chancen bekommen scheinbar nach wie vor nur BWL StudentInnen mit Top Noten und lückenlosem Lebenslauf und nicht jemand der irgendwelche speziellen Talente oder Visionen hat. Solche Kräfte werden für so ein Unternehmen nur an wenigen, hohen Positionen gebraucht. Und um an diese Stellen zu kommen muss man schon ordentlich von seiner „Kreativität“ gebraucht machen und kann sich auf dem Weg nicht auf Förderung verlassen.

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    • Chery

      8. Oktober 2015

      Ja, es ist furchtbar, in punkto Gesellschaftstauglichkeit bin ich noch am Üben. Wenn ich die Scheu erstmal überwunden habe, läuft es jedes Mal wunderbar! Auch wenn man ein sehr teigiges Handy dafür riskieren musste 😀
      Wegen dem Event mach dir keine Sorgen, es findet jährlich statt sodass man immer mal wieder eine Chance hat hinzukommen! Zu der Lufthansa-Story kann ich auch nur meine leichte Skepsis ausdrücken, ich persönlich denke, dass es hier und da sicher steile Karriereleitern im Unternehmen gibt – aber eindeutig nicht für jedermann. Mein Cousin ist junger Pilot bei der Lufthansa und meinte neulich erst, dass dieses „Wir sind eine große Familie“ Image nur für wenige Gruppen zutreffen mag, die Stimmung und das Arbeitsklima aber ansonsten gen „Arktische Winde“ geht. Einen objektiven Einblick hatte ich bei der Lufthansa jedoch bislang noch nicht, daher kann ich nur aus zweiter Hand spekulieren.

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