Unterhaltsam, schwer, heftig – „Klassen Feind“ der Schauspielschule Wiesbaden

Am Sonntag Abend bekam ich einen Anruf von Tristan, Studienkollege und Kumpel von mir, ob ich nicht spontan Lust hätte in die Wiesbadener Schauspielschule zu fahren, um mir die Abschlussvorstellung von „Klassen Feind“ anzusehen. Da ich großer Fan des Filmschauspiels und Theaters bin, ließ ich mich kurzerhand überreden und um 18 Uhr stand das Auto schon vor der Tür.
Nachdem wir auf der Fahrt in die hessische Hauptstadt auf Doktoranten-Niveau über die Forschungsfortschritte der Quantenphysik diskutiert hatten und sicherlich nicht darüber, dass Colonel Sanders von KFC aussieht wie ein Riesenkopf auf Strichkörper, suchten wir einen Parkplatz und betraten die Akademie. Da meine Begleitung gut mit einer der Schauspielerinnen befreundet war, erhielten wir einen vergünstigen Eintritt und begaben uns in den schwarzen, übersichtlichen Proberaum. Mit donnerndem Musikeintritt stürmten die Darstellerinnen nun ihre Bühne und zogen uns in die facettenreiche Geschichte von Autor Nigel Williams.

Nekonique Klassenfeind

In dem Stück „Klassen Feind“ geht es im Grunde um eine Gruppe jugendlicher Mädchen, die von den Lehrern ihrer Problemschule aufgegeben wurden und auf eine neue Betreuung warten, obwohl sie sämtliche Vorgänger systematisch fertig gemacht hatten. Trotz der Wut, Verzweiflung und Aggression, die die Mädchen in sich tragen, besteht weiter eine Hoffnung etwas in ihrem Leben ändern – sich selbst ändern zu wollen.
Im Laufe der Handlung, in der die einzelnen Personen selbst die Position des fehlenden Lehrers einnehmen, gibt jeder Teilnehmer einen persönlichen, tiefschürfenden Teil seines Lebens und seiner Persönlichkeit preis. Alte Wunden werden dabei aufgerissen, harte Wahrheiten ausgesprochen, sowie Ängste und Wünsche kommuniziert. Am Ende der Geschichte ist auch die härteste Nuss unter den Schülerinnen geknackt und allen ist nun bewusst, wo die Ursachen und der Lösungsweg ihrer Situation liegt.

In der Pause vertraten wir uns etwas die Beine und ich stieß auf eine himmlische kleine Bäckerei, die die feinsten Köstlichkeiten vertrieb. Bei all den Türmen an Keksen, Pralinen und Pasteten war es super schwer sich zu entscheiden, doch meine Wahl fiel auf einen französischen Donut und 3 Würfel türkische Lokum, letztere schenkte mir der Verkäufer mit einem Lächeln umsonst. Fasziniert und doch widerwillig verließ ich die „Harput“-Bäckerei (wer mir nicht glaubt wie überwältigend die Auswahl ist, der tippt den Namen bitte auf Google Bilder ein 😉 ) und wir begaben uns zurück, um die zweite Hälfte des Stückes zu sehen.

Nekonique Klassenfeind

Das Schauspiel war – wenn auch nicht bei allen der fünf Mädchen exakt auf dem gleichen Niveau – tadellos und professionell. Jede Rolle hat überzeugt und in der Schlussszene ertappte ich mich sogar mit Tränen in den Augen, da vor allem die Hauptrolle der „Fetze“ einen emotional immer wieder durchrüttelte. Die Sprache war derbe, was für einige Lacher sorgte, doch das Thema im Großen und Ganzen trauriger als erwartet. Allein das Wissen, dass diese Alltagsdarstellung keine Dystopie, sondern an manchen Schulen Realität war, ließ einen schwer schlucken und noch lange nach der Vorstellung nachdenklich stimmen.

Als die Vorstellung beendet war lernte ich dann die Schauspielerin kennen, mit der Tristan befreundet war und wir tauschten uns etwas über das eben gesehen Werk aus, bevor es wieder nach Mainz ging. Besetzt wurde das Stück mit Nora Kühnlein, Jennifer Güntner, Linda Roos, Jana Saxler, Maria Mina Hötzel, Eleni Tsausidou, Leon Müller und Pascal Fey, Regie führte Wolfgang Packhäuser.

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