Ausstellen auf Conventions – Im Interview mit Comic Artist Steve Sluzalek

Die Szene von Ausstellern mit eigenen Kreativarbeiten wird immer größer: Illustratoren, Crafter, Nähfeen, wenn die Convention ruft versammeln sich junge und alte Künstler aus allen Himmelsrichtungen, um ihre Werke zu präsentieren und zu verkaufen. Diesmal war ich wieder im Gespräch mit dem 25-jährigen Comic-Artist Steve Sluzalek, welchen ich bereits hier für die Rubrik „Nerdique“ zum Interview eingeladen hatte. Für alle Einsteiger, die vielleicht noch grübeln ob sie den ersten Schritt in die Öffentlichkeit wagen sollen, erzählt uns Steve heute von seinen vielseitigen Erfahrungen und gibt hilfreiche Tipps rund ums Ausstellen, Präsentieren, Spaß haben!

Chery: Als ausstellender Künstler bist du ja nun schon auf mehreren Messen und Conventions gewesen, welche kannst du uns da nennen?
Steve: Ich war bereits auf 4 verschiedenen Messen als Aussteller vertreten und zwar mehrmals die Hanami, die Comic Con Germany, das Comicfestival München und die Comic Action.

Chery: Wann warst du das erste Mal dabei und was hat dich zu dieser Idee bewegt?
Steve: Ich glaube 2010 hab ich das erste Mal eine Messe als Künstler besucht. Es war die Comic Action, die als Teil der „Spiel“ in Essen stattfindet. Mein Bruder – der mein Comiccompañero ist – und ich hatten schon länger mit dem Gedanken gespielt, der Öffentlichkeit unsere Werke zu präsentieren. Besonders da wir unsere beiden Großwerke „Detective Headache“ und „Shaolin Grandmaster Killer“ am Start hatten. Deshalb sind wir da hingefahren um mal das Wasser zu testen. Ich denke das war die Motivation dahinter.

Chery: In den Messehallen erwarten einen ja die unterschiedlichsten Themen auf den Ständen – Merch, Schmuck, Manga, Cosplay, Illustrationen – Auf was darf man sich freuen, wenn man deinen Stand besucht? Haben deine Fans auch die Chance Unikate oder Autogramme abzustauben?
Steve: Meine Hauptitems am Stand sind natürlich meine Comics, aber neben diesen biete ich auch Prints, Postkarten und Sticker. Außerdem hab ich noch Original-Sketches dabei, was in dem Fall Unikate wären. In Zukunft will ich aber mehr Prints machen. Autogramme bekommt jeder, wenn er eins möchte. In die Comics setze ich auch gerne einen Minisketch.

Chery: Das ist nice! Nur leider macht es ja nicht immer nur Spaß… Kannst du uns ein Beispiel für eine richtig tolle und eine richtig miese Erfahrung als Aussteller geben?
Steve:
Meine beste Erfahrung hab ich auf der Comic Con Germany in Stuttgart dieses Jahr gemacht, da das Publikum viel breitgefächerter war, als auf anderen Messen, die meist sehr Mangastil orientiert sind. Das hat sich auch in den Verkaufszahlen meiner Sachen widergespiegelt, da ich nicht die typische Mangaroute fahre. Es waren auch abgefahrene Leute vertreten, die ich schon durch Tumblr, Instagram etc. kannte.
Die mieseste Erfahrung war wohl das Comicfestival in München letztes Jahr. Ich war am Stand der Comic Solidarity mitvertreten, der sich im hintersten Eck eines schmalen Ganges befand, wo kaum Traffic vorbeikam. Es war auch nicht klimatisiert und an dem Tag war es recht heiß, sodass alle Leute so schnell raus wollten wie es ging. Auf der Messe habe ich auch rein gar nichts verkauft, was in Anbetracht der Anfahrt nach München echt niederschmetternd war. Solche Erfahrungen sind aber trotzdem wichtig finde ich.

Chery: Absolut! Was muss ein Event eigentlich erfüllen, dass du als Aussteller Interesse bekommst? Und wenn die Entscheidung gefallen ist, wie sieht danach der Ablauf für dich aus?
Steve:
Es sollte eine Zeichnerallee haben, da gemietete Messestände für kleine Künstler untragbar sind. Zudem sollte die Messe natürlich Comic oder Manga als Thema haben. Ansonsten zögere ich zurzeit noch an Cons teilzunehmen, die allzu weit weg sind, aber das will ich nächstes Jahr ändern und auch mal was in Hamburg oder Berlin besuchen. Der Ablauf ist recht simpel, man darf nur das Anmeldedatum nicht verpassen, was mir neulich bei der LBM passiert ist. Eine Messe zu besuchen kann echt simpel aber auch anstrengend sein. Alles fängt natürlich mit der Registrierung auf der Homepage an. Das ist je nach Veranstaltung immer unterschiedlich. Und wenn es geklappt hat, dann fährt man da hin in der Nacht mit Fernbus oder Auto und nimmt seinen ganzen Kram in einem Koffer mit. So war es bei mir bis jetzt immer so.

Chery: (lacht) Dabei natürlich nicht vergessen jede Menge Snacks einzupacken!! …Würd ich zumindest so machen… Messen gibt es jedenfalls in allen Größen, Dauern, Themen. Mit welchen Mietpreisen konntest du da durchschnittlich rechnen?
Steve:
Ich achte immer darauf, das der Stand nicht allzu viel kostet. Es kann aber so im Schnitt alles von 0 bis ca. 100€ kosten. Wobei ich bis jetzt nicht mehr als 30€ pro Tisch bezahlt habe. Es kommt immer auf die Messe an. Ich würde für eine größere Messe natürlich auch mehr Geld ausgeben, aber wenn es eine kleine Con im eigenen Ort ist, nicht mehr als 30 Besucher, dann würde ich keine 100€ zahlen. Also immer abwägen, was sich für einen lohnt.

Chery: Ernster wird es ja auch, wenn es um Regeln geht. Welche Verbote sollte man als Aussteller einhalten und was für Kontrollen gibt es zum Verkauf?
Steve:
Zwar heißt es oft in den Richtlinien, dass man keine stark pornografischen oder stark gewalttätige Sachen anbieten soll, aber kontrolliert wurde das noch nie soweit ich weiß. Rein rechtlich dürfte man auch kein Fanart verkaufen, aber jeder zweite tut es trotzdem. Das muss man für sich selbst entscheiden, ob man das Risiko eingehen will.

Chery: Unter all den Zeichnungen, Skulpturen, Gadgets und Comics – was kommt bei den Messebesuchern besonders gut an, was sind eher Ladenhüter?
Steve:
90% der Leute bieten größtenteils Prints ihrer Werke in verschiedenen Größen, was sich vermutlich auch am besten verkauft, den jeder vorbeilaufende Mensch kann sofort die Ware „sehen“ und entscheiden ob er sie will oder nicht. Bei mir und den Comics ist es schwieriger, da die Leute meist Zeit investieren müssen, um erst mal durchzublättern und so weiter… Ich denke man kann alles verkaufen, wenn man die Leute zunächst irgendwie drauf aufmerksam gemacht hat.

Chery: Bei all der Konkurrenz muss der gebotene Platz natürlich möglichst sinnvoll und auffällig genutzt werden – Wie richtest du dich am liebsten ein? Was kannst du Erstlingen empfehlen, was den Aufbau angeht? Gibt es da auch No-Gos?
Steve:
Am besten man hat eine Tischdecke und wenn man Zines oder Comics verkauft, sollte man Buchständer besorgen, um die Ware besser präsentieren zu können. Wenn deine Sachen flach auf dem Tisch liegen, kommt so gut wie niemand zu dir. Zudem sollte man es übersichtlich halten, auf dem Stand sollte Ordnung herrschen.

Chery: Klar, wüstes Chaos ist natürlich ein Interessen-Killer. Welche Gegenstände sind denn ein absolutes Muss für einen eigenen Stand? Was bringt man selbst mit und was wird vom Veranstalter gestellt?
Steve:
Eine brandfeste Unterlage bzw. Tischdecke ist ein Muss für die meisten Messen. Meine wichtigsten Präsentiertools sind inzwischen die Buchständer und kleine Regalsteckwände, um Prints präsentieren zu können. Zeichenutensilien, Papier und Wasser sind sicher auch brauchbar. Die Messen stellen meist den Tisch und vielleicht eine Rückwand, aber oft muss man für die Wand extra zahlen. Ansonsten bieten manche noch WLAN oder Strom gegen Aufpreis an, jedoch zu astronomischen Preisen.

Chery: Für offene Fragen oder Unsicherheiten kann man sich ja auch stets beim Veranstalter selbst melden. Kannst du uns noch einen ganz persönlichen Tipp mit auf den glorreichen Con-Weg geben? Wie macht dieses Erlebnis besonders viel Spaß, knüpft man Kontakte, erreicht man den gewünschten Umsatz?
Steve:
Man sollte am besten zu zweit einen Stand haben, damit man auch mit anderen Zeichnern quatschen kann und die andere Person währenddessen auf den Stand aufpassen kann. Dann ist man nicht so an den Tisch gefesselt. Ansonsten sollte man einfach gut drauf sein, gerne auch mal was ins verkaufte Buch reinzeichnen oder Sticker und Visitenkarten verteilen. Die erste Messeerfahrung ist ganz oft ernüchternd, aber man ist danach trotzdem schon „hooked“!

Chery: Vielen lieben Dank fürs Teilen deiner Erfahrungen und ganz viel Erfolg auf der nächsten Con, Steve! In dem Sinne wünsche ich auch den zukünftigen Ausstellern ganz viel Spaß & Glücksmomente bei ihrem ersten Stand, und hoffe dass euch der kleine Guide hier bei den letzten Unsicherheiten einen Ruck geben konnte!

Mehr von Steve findet ihr auf seinem Tumblr und Facebook oder schreibt ihm einfach an steve_sluzalek(at)web.de

Fotos: Steve Sluzalek

Das Copyright saemtlicher vom Autor erstellten Grafiken und Texte bleibt allein bei nekonique.de, eine Vervielfaeltigung oder Verwendung bedarf ausdruecklicher Zustimmung des Autors!

Schreibe einen Kommentar