Seelenblick-Fotografie – Im Gespräch mit Künstlerin Claudia Wycisk

Claudia Wycisk wurde am 29.04.1985 in Suhl geboren und ist heute in Bodenheim, quasi gleich bei uns in Mainz, heimisch. Bedingt durch einen Umzug musste die gelernte Bürokauffrau einst ihre wundervollen Pferde zurücklassen – an sich ein trauriges Ereignis, was jedoch die Leidenschaft zur Fotografie ins Rollen brachte, da sie uns ja ermöglicht alles festzuhalten und im Kleinformat mit uns zu nehmen, was uns wichtig ist. Zunächst waren es also Hodok und Edano, die vor die Linse kamen, dann ihr Hund, später auch Architektur, Natur, Familie und Freunde und alles was hier und dort Interesse weckte. Seit 2007 begann ihre autodidaktische Neugier, 2009 war sie gänzlich der Fotografie verfallen, 2012 gründete sie damit ein nebenberufliches Standbein: Seelenblick Fotografie. Wie Alice im Wunderland durch den Kaninchenbau späht, so schafft es Claudia in der normalen Welt durch’s Objektiv zu sehen und uns zu zeigen, wie magisch die Welt dahinter eigentlich ist.

Die motivierte Weiterentwicklung von Techniken und Stilen, kombiniert mit einem fantastischen Talent für Ästhetik und Anmut, spiegelt sich vor allem in etlichen Auszeichnungen wieder. Seit Ende 2014 regnete es Ehrungen wie die Goldmedaille beim 13. Trierenberg Special Themes Circuit, den 1.ten Platz bei den Monochrom-Awards für International Black & White Photography, der Gold Medal of Excellence und diversen anderen Siegen bei Fotowettbewerben wie hier dem Fine Art Photography Award in der Kategorie Portrait. Einfach nur Wow!

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Die folgenden Werke zeigen unter anderem eine Auswahl aus den wunderschönen Serien „Feé“ und „Magic“. Die hinreißenden Motive bestechen durch eine surreale, verwunschene Ausstrahlung und weiches, perfekt abgestimmtes Farbschema. Neben mystischer Atmosphäre werden die eleganten, schon fast zärtlich anmaßenden Posen der Models durch atemberaubenden Kopfschmuck, sanftes Make-up und edler Vintage-Kleidung grandios in Szene gesetzt. Die aussagekräftige Körpersprache zeigt uns Emotionen wie Stolz und Scheu, Schönheit und Abstraktion, ist träumerisch und manchmal auch ernst – dem Interpretationsspielraum werden dort keine Grenzen gesetzt.

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Die elfengleichen Schnappschüsse experimentieren meist mit blassen, neutralen Tönen oder satten, dunklen Farbräumen. Durch den Einsatz von dezenten Hintergründen entsteht ein natürlicher Fokus auf der markanten Haltung der Motive, während sich das Puzzle aus Styling und Frisur, Pose und Kleidung, Location und Thema dabei zu einem ausgewogenen Ganzen zusammenfügt und jedem Betrachter nach Sekunden ein One-Way-Ticket ins Märchenland schenkt. Mehr von der „Guten Fee“ hinter dieser magischen Linse im Nekonique-Interview:

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Nekonique Seelenblick Claudia Wycisk

Chery: Was entflammte deine Leidenschaft zur Fotografie?

Claudia: Geboren wurde ich in Suhl, Thüringen und die größte Leidenschaft sind meine beiden Pferde, Hodok und Edano. Aufgrund meiner Ausbildung und der Liebe bin ich nach Bodenheim, in die Nähe von Mainz, gezogen. Gerade in der Anfangszeit haben mir meine Pferde sehr gefehlt und ich habe nach einem Hobby in meiner neuen Heimat gesucht. Als ich wieder zu Besuch bei meinen Eltern in Thüringen war, habe ich bei einem gemütlichen Kaffeeklatsch mit meiner Oma über dieses Thema gesprochen, dass mir meine Pferde sehr fehlen, wie ich denn die Momente mit meinen Pferden irgendwie festhalten könnte, ohne jeden Tag vor Ort sein zu müssen. Außerdem sagte ich meiner Oma, dass ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sei. Irgendwie kamen wir dann auf die Fotografie zu sprechen und sie meinte schließlich zu mir: „Werde doch Tierfotografin!“.
Diese Aussage von meiner Oma blieb mir so im Kopf stecken, dass ich mir kurze Zeit später tatsächlich meine erste Spiegelreflexkamera kaufte und begann zu fotografieren. Das war im Jahr 2007. Zu Beginn natürlich meine Pferde, meinen Hund, später dann Architektur, die Natur, alles was mir vor die Linse kam und für mich irgendwie interessant erschien. Irgendwann habe ich dann angefangen Freunde und Familie zu fotografieren. Ich hielt daran fest und wollte schließlich auch fremde Menschen ablichten. Ich meldete mich als Fotografin in der Model-Kartei an und suchte nach ersten fremden Modellen, die sich von mir fotografieren lassen wollten. So hat alles angefangen, bis ich dann 2009 der Menschen-Fotografie komplett verfallen bin.

Chery: Nach welchen Kriterien suchst du deine Models aus oder mit welchen Wünschen kommen sie auf dich zu?

Claudia: Ich habe keine festen Kriterien nach denen ich meine Modelle aussuche. Das Model muss etwas in mir wecken. Das ist eigentlich der einzige Punkt der erfüllt sein muss.

Chery: Auf einigen Werken tragen die Modelle atemberaubenden, facettenreichen Kopf- oder Körperschmuck. Wer stellt diesen her und nach welchen Ideen?

Claudia: Die Accessoires stelle ich nicht selber her, sondern werden von verschiedenen Designern angefertigt. Ich habe viel mit dem Label CEXN zusammengearbeitet und der französischen Designerin Candice Angélini. Nach welchen Ideen die Designer die Kleidung und Accessoires herstellen, keine Ahnung! 😀 Dafür bin ich leider der falsche Ansprechpartner. Mir gefällt einfach deren Stil und es passt einfach sehr gut zu meiner Art der Fotografie – Mystisch, verträumt, romantisch, abstrakt, …

Chery: Woraus beziehst du deine Inspiration oder schöpfst neue Fantasie?

Claudia: Ganz verschieden. Aber viel aus Filmen oder bei alltäglichen Dingen, wie zum Beispiel beim Laufen gehen mit meinen Hunden oder Pferden. Aber auch die Arbeiten von anderen Fotografen inspirieren mich, keine Frage!

Chery: Fällt dir ein Shooting ein, das dir besonders Spaß gemacht hat oder daneben ging?

Claudia: Ui, so ganz spontan fällt mir da leider keins ein. Alle meine Shootings bereiten mir große Freude und ich finde es immer wieder toll so viele verschiedene Menschen kennenzulernen und mit ihnen tolles umzusetzen, dass am Ende ein Werk entsteht was hoffentlich länger im Gedächtnis bleibt als nur ein paar Sekunden.

Chery: Ich denke das ist dir eindeutig gelungen! Welchen Ratschlag kannst du denn Einsteigern in diesem Kreativbereich ans Herz legen?

Claudia: Ganz wichtig, immer am Ball bleiben! Gerade am Anfang ist es sehr wichtig viel zu fotografieren, um ein „Feeling“ zu bekommen. Austesten verschiedener Perspektiven und Lichtsituationen sind sehr entscheidend, um sich weiterzuentwickeln. Wichtig ist, dass man dich von den anfänglich eher „schlechten“ Aufnahmen nicht abschrecken lassen sollte. Man sollte dies eher als Ansporn nehmen weiter zu machen, um besser zu werden. Außerdem sollte man sich nicht so viel an den technischen Feinheiten aufhalten. Mich persönlich lenkt das nur ab und hält auf seine Gefühle in einem Bild zu zeigen. Einfach die Kamera in die Hand nehmen, an eine Location gehen und beginnen zu fotografieren. Natürlich sollten einem die Grundlagen des Fotografierens vertraut sein – keine Frage, aber gerade das viele fotografieren gibt eine gewisse Sicherheit und man setzt sich automatisch mit seiner Kamera auseinander. Man muss für sich selber einen Weg finden mit seinem Equipment gut Freund zu werden und natürlich auch den gewissen Blick haben, um ein schönes Bild zu schaffen. Es nützt die beste Ausrüstung und das beste technische Wissen nichts, wenn man keinen Blick für schöne Momente hat.

Chery: Vielen herzlichen Dank für das offene Wort! Ich sitze schon auf heißen Kohlen für die zukünftigen Werke!

Wessen Herz genauso für den Mix aus Fantasy und eleganter Couture schlägt, der schaut auf jeden Fall bei Seelenblick’s Webseite herein und folgt ihr auf Instagram! Natürlich gibt’s auch die aktuelle The-Black-Series online, die man als Bildband ergattern kann, ebenso sehenswert wie das wunderbare Projekt Players For Children, das sie 2012 gemeinsam mit Carola Hickl ins Leben rief – ein konzeptionelles, künstlerisches Fotoprojekt mit prominenten Schauspielern – um krebskranken Kindern zu helfen. Garantierte Sternchenaugen sind nur einen Mausklick entfernt! 😉

Fotos: Claudia Wycisk

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