„Soft Cover Emotions“ – Eine visuelle Buchtrilogie von Designer Giestas

Mit seinem faszinierenden Projekt „Soft Cover Emotions“ schafft der portugiesische Designer Giestas es, die Vielfalt und Tiefe der menschlichen Emotionen visuell auf Papier zu bringen und unsere Psyche mit der Schönheit der Kunst zu verbinden. 1988 geboren als Luis Cesar Nogueira Giestas, studierte er zunächst Produkt- und Industrialdesign an der Universität von Lissabon und arbeitete darauf hin in mehreren namenhaften Studios und Museen der Hauptstadt als Gestalter. Die ersten Preise ließen nicht lang auf sich warten und so folgten auch ab 2011 viele eigene Ausstellungen in der Heimat, Italien, Deutschland und sogar China.

In einem Zeitraum von insgesamt 300 Tagen hielt Giestas stündlich seinen Gefühlszustand fest und dokumentierte diesen mit Hilfe eines Psychologiemodells, das 56 prägnante Emotionen als Farbdiagramm einteilt. Die daraus entstandene Print-Trilogie umfasst 3 Bücher mit jeweils unterschiedlichem Schwerpunkt je 100 Seiten. Jede dieser Seiten gibt 12 Stunden bewusste Empfindungen wieder und repräsentiert zusammen mit dem Schlaf (schwarz dargestellt) eine Spanne von 24 Stunden.

Der erste Band beschäftigt sich mit der Diversität verschiedener Emotionen, die ein Mensch an einem einzelnen Tag durchlebt, der Zweite verdeutlicht die mögliche Diskrepanz zwischen den Emotionen die wir tatsächlich fühlen und jenen, die wir zum Ausdruck bringen, und der Abschlussband zeigt uns wie weit wir mit der Erwartung an zukünftige Gefühle, was wir in dem Moment dann tatsächlich empfinden und wie wir uns später daran zurückerinnern, auseinander liegen können.

Während in der ersten Ausgabe ein ganzseitiges Design vorliegt, werden die Seiten im Folgeband in zwei Teile unterteilt, der obere zeigt die empfundenen Gefühle, der untere welche ausgedrückt wurden. Passten die beiden nicht zusammen, entstand eine sichtbare Abbruchlinie zwischen den Panels. Im dritten Band sind die Seiten in drei Spalten geteilt, in der die Erste darstellt mit welchen Emotionen Giestas gerechnet hat, welche er in dem Augenblick dann empfand und wie er sich 24 Stunden später an sie zurück gesinnt. Gefühle, die er nicht in der Lage war voraus zu ahnen oder an die er sich nicht mehr klar erinnern konnte, wurden Weiß gelassen.

Es liegt nahe, dass ihm dieses Projekt viel Geduld und Disziplin abverlangte, sowie die Fähigkeit offen in sich hineinzuhorchen und schwer zu fassende Empfindungen auf ein bestimmtes Gefühl reduzieren zu können. Natürlich muss dies mit aufrichtiger Selbstreflektion und auch Selbstbewusstsein geschehen, da der Designer zu jenem stehen würde, das später aller Öffentlichkeit preisgegeben sei, ungeachtet wie persönlich und „bewertbar“ der Inhalt des Werkes sein würde.

„Bevor ich mit dem Projekt begann, dachte ich, ich hätte eine klare Wahrnehmung davon, wie ich mich fühle und nun weiß ich, dass das Bild, das ich von mir habe, eine sehr instabile Annäherung an einen sich ständig verändernden Strom von Emotionen ist“, verriet uns Giestas, „Auf ein gewisse Art kennen wir das auch alle, aber um den visuellen Beweis dafür sehen zu können, wie er durch Farbe dargestellt wurde, hat sich der mühsame Aufzeichnungsprozess absolut gelohnt.“

Fotos: Giestas
Titelbild: Giestas, Text von Chery

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